Overtourism in Japan: Wenn der Traum von Touristen zum Albtraum wird

Japan – das Land der aufgehenden Sonne, der schneebedeckten Berge und uralten Tempel – war einst ein Geheimtipp für Reisende, die fernab der ausgetretenen Pfade unterwegs sein wollten. Doch seit die Regierung 2013 eine massive Tourismusoffensive gestartet hat, ächzt das Land unter den Folgen des Massenandrangs. 32 Millionen Besucher im Jahr 2023 – fast dreimal so viele wie noch 2010 – verwandeln Idylle in Stress. Überfüllte U-Bahnen, stundenlange Warteschlangen vor Tempeln und eine gestresste lokale Bevölkerung sind die neue Realität von Overtourism (Übertourismus). Doch es gibt Wege, das echte Japan noch zu erleben – wenn du weißt, wo.


Tokio: Die Stadt, die nicht mehr schläft

Kirschblüten am Graben des Kaiserpalasts
Kirschblüten am Graben des Kaiserpalasts

Tokio ist eine Stadt der Kontraste – doch die hohe Besucherzahl macht sich besonders an bekannten Orten bemerkbar. Shibuya Crossing ist nicht mehr nur ein Symbol für urbanes Leben, sondern oft ein Gedrängel, das Geduld erfordert. Auch der Sensō-ji-Tempel in Asakusa, einst ein Ort der Besinnung, ist heute häufig gut besucht. Wer die Stadt abseits der Stoßzeiten erkundet, findet jedoch nach wie vor Ruhe und Raum zum Durchatmen.


Kyoto: Tempel, Touristen und Trubel

Kyoto, bekannt für seine historische Bedeutung, spürt die Auswirkungen des Tourismus besonders stark. Der Kiyomizu-dera und die Gassen von Gion sind oft gut gefüllt, und die Bambuswälder von Arashiyama verlieren manchmal ihre beschauliche Atmosphäre. Dennoch lohnt es sich, früh morgens oder in ruhigeren Vierteln unterwegs zu sein – hier zeigt sich Kyoto noch von seiner ursprünglichen Seite.


Osaka: Lebendigkeit mit Nebenwirkungen

Osaka, die Stadt der kulinarischen Vielfalt, zieht mit Dōtonbori und dem Osaka Castle Park viele Besucher an. An Wochenenden kann es hier eng werden, und die Warteschlangen vor Restaurants sind legendär. Wer jedoch abseits der Hauptstraßen isst oder weniger bekannte Parks besucht, erlebt Osaka noch immer als offene, gastfreundliche Stadt.

Burg Osaka mit Touristen (2018)
Burg Osaka mit Touristen (2018)

Shirakawa: 1.700 Einwohner, 2 Millionen Besucher

In Shirakawa-go, dem UNESCO-Weltkulturerbe in der Präfektur Gifu, drängen sich jährlich 2 Millionen Touristen (davon 1,1 Millionen aus dem Ausland) durch die engen Gassen – tausendmal mehr, als das Dorf Einwohner hat. Die Gasshō-zukuri-Häuser, einst Symbole jahrhundertealter Tradition, werden heute von Massen belagert, die Parkplätze sind chronisch überlastet, und die Privatsphäre der Locals schwindet mit jedem Bus, der anrollt.


Fujiyoshida: Wenn selbst die Kirschblüte dem Massentourismus zum Opfer fällt

In Fujiyoshida, der malerischen Stadt am Fuße des Mount Fuji, wurde das traditionelle Kirschblütenfest für das Jahr 2026 abgesagt – nicht wegen des Wetters, sondern wegen zu vieler Besucher, die Müll hinterlassen und die lokale Infrastruktur überlasten. Ein trauriges Zeichen.


Die Suche nach Alternativen: Japan abseits der Massen

Doch es gibt auch Hoffnung. Immer mehr Reisende entdecken die abgelegenen Regionen Japans – die Präfektur Tottori, die Insel Shikoku, die abgelegenen Dörfer in den Bergen. Hier, abseits der Touristenströme, kann man noch das echte Japan erleben: die Stille, die Gastfreundschaft, die unberührte Natur. Vielleicht ist es an der Zeit, die ausgetretenen Pfade zu verlassen – und Japan wieder so zu entdecken, wie es einst war: als ein Land der Geheimnisse und der stillen Schönheit.

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